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Osteopathie

Die Osteopathie ist zugleich eine Philosophie, eine Wissenschaft
und eine Kunst.

Ihre Philosophie beinhaltet das Konzept von der Einheit von Struktur
und Funktion des Organismus im gesunden wie im kranken Zustand.

Als Wissenschaft umfasst sie Biologie, Chemie und Physik im Dienst
der Gesundheit sowie der Prävention, der Heilung und der Linderung
von Krankheiten.

Ihre Kunst besteht in der Anwendung dieser Philosophie und Wissenschaft
in der Praxis der osteopathischen Medizin und Chirurgie sowie all ihrer
Fachbereiche.

Diese Definition der Osteopathie aus dem Jahr 1976 gilt bis heute. Sie
wurde inzwischen um einige moderne Aspekte erweitert. Man muss
zusätzlich das Gedankengebäude der Osteopathie gut kennen. Dieses
basiert im Wesentlichen auf 4 Grundprinzipien:

Prinzip 1:

  • Der Körper ist eine Einheit.
  • Der Mensch ist eine Einheit aus Körper, Seele und Geist.

Prinzip 2:

  • Der Körper ist imstande, sich selbst zu regulieren, zu heilen
    und gesund zu erhalten.

Prinzip 3:

  • Struktur und Funktion beeinflussen einander wechselseitig.

Prinzip 4:

  • Eine osteopathische Behandlung folgt den ersten drei Prinzipien.
    Sie berücksichtigt gleichermaßen die Einheit des Körpers sowie
    das Wissen um die Selbstheilungskräfte und die Wechselbe-
    ziehungen zwischen Strukturen und Funktionen.

Die verschiedenen Bereiche der Osteopathie

Für viele Osteopathen sind der Organismus und der Mensch insgesamt
eine Einheit. Die moderne Osteopathie betrachtet diese Einheit jedoch
aus verschiedenen Perspektiven und sie besteht im Wesentlichen aus
3 Bereichen. Sie unterscheiden sich voneinander sind aber untrennbar
und miteinander verbunden.

Jedem Bereich sind bestimmte Teile des Organismus zugeordnet und
sie werden immer bei jeder Behandlung und Diagnose mit einbezogen.

1. Parietale Osteopathie

Sie umfasst den Bewegungsapparat. Hierzu gehören z. B. die Knochen,
die Muskeln und die Gelenke.

2. Viszerale Osteopathie

Sie umfasst die Blutgefäße, die inneren Organe sowie die Eingeweide mit
den dazugehörigen Blutgefäßen, Lymphgefäßen und den Nerven.

3. Craniosakrale Osteopathie

Sie umfasst den Schädel und die Wirbelsäule mit der Hirn- und Rückenmarks-
flüssigkeit, die Membranen, das Hirn- und Rückenmark.

Die Embryologie ist für den Osteopathen von großer Bedeutung. Da Kenntnisse
über die Entwicklung des Organismus und seiner einzelnen Gewebe und Organe
in der Embryonalphase (die ersten 12 Wochen der Schwangerschaft) wichtige
Grundlagen sind, um Prozesse wie z. B. das Knochen- und Gewebewachstum,
das Zusammenwirken verschiedener Körperfunktionen und die Entstehung von Dysfunktionen besser zu verstehen.

„Eine frühzeitige osteopathische Behandlung kann dazu beitragen, dass
Fehlspannungen und Bewegungseinschränkungen des Skeletts sowie der
Muskeln, Faszien, Gelenke und Organe, die durch den Geburtsvorgang
entstanden sind, vom Organismus selbst wieder aufgelöst werden, ohne dass
das Kind unangenehme Auswirkungen spürt.

Deshalb setzen sich Osteopathen (vor allem in den USA) dafür ein, dass jedes Neugeborene zusätzlich von einem Osteopathen untersucht und, falls nötig,
behandelt wird.“

Eine osteopathische Behandlung kann:

  • direkt auf das Bindegewebe einwirken und auf diese Weise
    erkrankte Zellen bei der Gesundung unterstützen
  • abgesunkene Organe in ihrer Beweglichkeit unterstützen,
    dadurch können sie trotz dieser Störung wieder besser arbeiten.
  • die Verschieblichkeit des Lungenfells und des Herzbeutels testen
    und beide behandeln, um z.B. Atembeschwerden aufzulösen
  • auf vielfältige Weise innere Organe, wie z. B. die Leber, den Magen
    oder den Darm, untersuchen und die Heilung einleiten.

Bei vielen Störungen spielt die mangelnde Durchblutung von Geweben
eine Rolle. Eine osteopathische Behandlung hat zum Ziel, Hindernisse
aufzulösen, die das Blut bei der Zirkulation stören. Wenn das gelingt,
werden die betroffenen Gewebe wieder besser versorgt und der Hei-
lungsprozess wird angeregt.

Eine osteopathische Behandlung

  • unterstützt den Körper, Hindernisse wie z.B. fixierte Gelenke
    sowie Faszien- und Muskelspannungen zu lösen. Die Lymphe
    kann dann wieder ungehindert fließen. Osteopathen können
    das lymphatische System direkt beeinflussen, z. B. durch
    Pumptechniken
  • mit Hilfe spezieller neurovegetativer Techniken den Sympathikus
    und den Parasympathikus direkt anregen oder beruhigen und so
    eine ausgewogene Beziehung der beiden Bereiche wiederherstellen.
  • auf die Durchblutung und die Nervenversorgung der Hormondrüsen
    einwirken, so dass sich ihre Aktivität normalisiert. Sie kann außerdem
    die Spannung der Gewebe und der Umgebung der Drüsen sowie
    die Grundspannung des Organismus beeinflussen.
  • bei Schlafstörungen oft sehr gut helfen. Das Auflösen von Verhärtungen
    der Muskeln und anderer Gewebe sowie der Harmonisierung des
    vegetativen Nervensystems bewirken unter anderem, dass sich
    der Organismus besser entspannen kann.

 

„Der menschliche Organismus trägt in sich
das Potential der Gesundheit.

Wer dieses Potential erkennt und unterstützt,
kann Krankheiten verhindern und heilen.“

Andrew Taylor Still

Entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden - hat auch die private
Situation eines Menschen! Dazu gehören z. B. Beziehungen – Partnerschaft,
Familie, Freundschaften – die Wohnung und der Wohnort.

  • Hat jemand viele unerfüllte Sehnsüchte, von anderen seelisch
    verletzt wird oder unverarbeitete seelische Verletzungen mit
    sich herumträgt.
  • Wenn ein Mensch sich durch Anforderungen anderer bedrängt
    und überfordert fühlt.
  • Wenn er aus Rücksicht auf andere zu viele Kompromisse macht –
    auch solche, oft schwer fassbaren Belastungen können auf Dauer
    Beschwerden auslösen oder verschlimmern.

Wenn Stress auf den Magen schlägt

Jeder hat das schon einmal erlebt:

Man hat Stress oder Kummer, ist niedergeschlagen und dann
kommen auch noch körperliche Probleme:

Wie aus dem Nichts hat man plötzlich eine starke Erkältung,
einen Migräneanfall, Magenkrämpfe,Durchfall oder schlimme
Rückenschmerzen.

Viele Frauen bekommen in Stresssituationen prompt eine
Blasenentzündung oder Unterleibsschmerzen, obwohl sie sich
gar nicht verkühlt haben.

Die Erklärung für dieses Phänomen:

Die Kreisläufe und Regulationssysteme innerhalb des Organismus
sind auf vielfältige Art miteinander vernetzt. Das Immunsystem wird
unter anderem vom zentralen und vegetativen Nervensystem sowie
von verschiedenen Hormonen unterstützt und beeinflusst.

Die Hormonausschüttung wiederum steht in Wechselbeziehungen
zu den Stimmungen und Gefühlen eines Menschen. Im alltäglichen
Sprachgebrauch werden diese komplizierten Zusammenhänge
einfacher ausgedrückt:

„Das schlägt mir auf den Magen.“

„Da kommt mir die Galle hoch.“ oder

„Jetzt habe ich die Nase voll.“

Solche Redensarten geben einen Hinweis auf psychische
Komponenten bei Krankheiten.